Start / Blog / Frühjahrsdurchsicht 2026, alle Völker durch den Winter
Bienenjahr02 · April 2026Hans-Wilhelm Kessel · Imker seit 1983

Wie läuft die Frühjahrs­durchsicht bei einem Imker eigentlich ab?

Bienenstand der Imkerei Kessel im Frühjahr, Buckfast-Bienenvölker am Buschweg in Dormagen-Delhoven
Kurz & bündig

Die Frühjahrsdurchsicht ist die erste Kontrolle aller Bienenvölker nach dem Winter. Hier in Dormagen-Delhoven öffne ich Anfang April, bei mindestens 14 Grad und Sonne, jede Beute, prüfe Königin, Brut und Futter. 2026 haben alle meine Bienen den Winter überstanden, ein guter Start ins Bienenjahr.

Hans-Wilhelm Kessel
Geschrieben von Hans-Wilhelm Kessel, Imker seit 1983 in Dormagen-Delhoven. Pflegt seine Buckfast-Bienen und produziert drei sortenreine Honige direkt am Buschweg.

Wenn man als Imker den Winter überstanden hat, wartet man eigentlich nur noch auf einen guten Tag. Diesmal kam er Anfang April: 16 Grad, kaum Wind, Krokus auf dem Rasen. Perfekt, um endlich die Beuten zu öffnen und zu schauen, was der Winter mit den Völkern gemacht hat. In meinen 43 Jahren als Imker hier am Niederrhein ist dieser Moment jedes Mal kleines Theater.

Wann ist die richtige Zeit für die Frühjahrs­durchsicht?

Die erste Durchsicht macht man frühestens, wenn die Tagestemperatur tagsüber stabil über 14 Grad liegt und die Bienen schon kräftig fliegen. Hier in Dormagen-Delhoven ist das meistens Ende März bis Anfang April. Vorher zu öffnen, kostet die Bienen wertvolle Wärme.

Ich warte am Buschweg gezielt auf den ersten richtig sonnigen Tag mit windstillem Vormittag. Das ist Standard für jeden Imker am Niederrhein, weil unser milde, regenreiche Frühjahr genau dieses Wetter selten genug zur Verfügung stellt.

Was sieht der Imker schon am Flugloch?

Bevor man überhaupt die Beute aufmacht, verrät das Flugloch schon viel. Ich lege mich vor jeden Stock auf den Boden und beobachte für ein paar Minuten.

Schon beim Anlegen am Flugloch sieht man: regelmäßiger Anflug, einzelne Bienen mit Pollen, Hasel, Krokus und Schneeglöckchen geben hier in Delhoven jetzt schon. Das ist immer ein gutes Zeichen. Tote Bienen vor dem Eingang sind normal; nur wenn es richtig große Haufen sind, wird's verdächtig.

Was wird in der Beute kontrolliert?

Bei der Durchsicht prüfe ich vier Dinge, in dieser Reihenfolge:

  • Lebt das Volk? Brummt es, sitzen Bienen in der Wabengasse?
  • Königin gesund? Sehe ich frische Stifte (junge Eier)? Wenn ja, lebt die Königin.
  • Brut in allen Stadien? Eier, Maden, verdeckelte Brut, das zeigt, ob die Königin gleichmäßig legt.
  • Futter ausreichend? Mindestens 3–5 kg Honig oder Zucker sollte noch hinten in der Beute sein.

Bei einem stillen Volk im hinteren Bereich des Standes habe ich vorsichtig den Deckel abgenommen. Es saß ruhig zwischen zwei Wabengassen, brütend, sauber. Königin gesund, Brut in allen Stadien. Mehr zum Bienenjahr in der Wissen-Sektion.

Ein einzelner Blick auf eine intakte Brutwabe ist nach einem langen Winter beinahe feierlich.

Wie ist die Bilanz 2026?

Hier am Buschweg in Dormagen-Delhoven sieht es 2026 erfreulich aus:

  • Alle Völker leben. 100 % Überwinterungs­erfolg, das ist nicht jedes Jahr so.
  • Zwei besonders starke Völker haben bereits ausgebaute Honigräume verdient, sie sind ihrer Zeit voraus.
  • Ein Volk ist sehr schwach, bekommt eine Brutwabe aus einem stärkeren Volk, um wieder Kraft zu sammeln.
  • Futter überall noch vorhanden, niemand muss zugefüttert werden.

Zum Vergleich: Der bundesweite Durchschnitt für Wintersterblichkeit liegt laut Deutschem Imkerbund bei etwa 10–15 %. Buckfast-Bienen, wie ich sie pflege, gelten als besonders winterhart, das ist einer der Gründe, warum ich seit Jahrzehnten bei dieser Linie bleibe.

Was passiert jetzt bis zur ersten Ernte?

Mit dem Aufblühen der Obstbäume und dem Raps der umliegenden Felder geht es richtig los. Bis dahin: Honigräume aufsetzen, Schwarmkontrolle einplanen, das nächste Brot mit dem letzten Honig vom letzten Jahr genießen.

Die erste Ernte am Buschweg ist meistens Anfang bis Mitte Mai, der Raps- und Obstblütenhonig. Wer die ersten Gläser haben möchte, ruft am besten kurz vor Saisonbeginn an. Mehr zur Schwarmsaison, die im Mai folgt.

Wer Lust hat, vorbei­zukommen, der April und Mai sind die schönsten Monate am Stand. Auch Radler vom Buschweg sind herzlich willkommen.

Häufige Fragen

Wann macht ein Imker die erste Durchsicht im Frühjahr?

Sobald die Tagestemperatur stabil über 14 Grad liegt und die Bienen kräftig fliegen, meist Ende März bis Anfang April. Bei mir in Dormagen-Delhoven warte ich gezielt auf einen windstillen, sonnigen Vormittag.

Was wird bei der Frühjahrsdurchsicht kontrolliert?

Vier Dinge: Lebt das Volk? Ist die Königin gesund (frische Eier sichtbar)? Brütet sie gleichmäßig (Eier, Maden, verdeckelte Brut)? Reicht das Restfutter? Bei Bedarf wird umgeschichtet oder eine Brutwabe ausgetauscht.

Wie viele Völker sterben durchschnittlich im Winter?

Bundesweit rechnet man laut Deutschem Imkerbund mit 10–15 % Verlust pro Winter. Buckfast-Bienen sind besonders winterhart. Bei mir am Buschweg in Delhoven haben dieses Jahr alle meine Bienen überlebt.

Darf ich als Nachbar bei der Durchsicht zusehen?

Sehr gerne, einfach vorher anrufen unter 02133 81491. Ich zeige am Bienenstand am Buschweg in Dormagen-Delhoven gerne, was passiert. Buckfast-Bienen sind friedfertig, ein Schleier reicht meist aus.

Wann gibt es 2026 den ersten Honig?

Die erste Ernte am Buschweg ist meist Anfang bis Mitte Mai, der Raps- und Obstblütenhonig. Wer die ersten Gläser möchte, ruft kurz vor Saisonbeginn unter 02133 81491 an.