Start / Blog / Schwarmkontrolle im Mai, was am Bienenstand jetzt zählt
Bienenjahr12 · Mai 2026Hans-Wilhelm Kessel · Imker seit 1983

Wie geht ein Imker mit Bienenschwärmen im Mai um, und was tun, wenn du selbst einen findest?

Bienenstand am Buschweg in Dormagen-Delhoven während der Schwarmsaison im Mai
Kurz & bündig

Im Mai schwärmen Bienen, das ist ihre natürliche Vermehrung. Ein Imker macht jede 7–9 Tage Schwarmkontrolle, um das zu verhindern. Falls du in Dormagen oder im Rhein-Kreis Neuss einen Schwarm findest: bitte nicht spritzen, sondern 02133 81491 anrufen. Ich oder ein Imker-Kollege hole das Volk meist innerhalb einer Stunde kostenlos ab.

Hans-Wilhelm Kessel
Geschrieben von Hans-Wilhelm Kessel, Imker seit 1983 in Dormagen-Delhoven. Pflegt seine Buckfast-Bienen und produziert drei sortenreine Honige direkt am Buschweg.

Wenn der Raps abblüht und die Obstbäume verblühen, kommt am Buschweg die intensivste Zeit des Bienenjahres: die Schwarmsaison. Wer als Imker im Mai nicht hinschaut, wacht eines Morgens auf und entdeckt eine Bienentraube am Apfelbaum, und im Stock fehlt die halbe Belegschaft. In meinen 43 Jahren am Niederrhein habe ich gelernt: Schwarmkontrolle ist die wichtigste Arbeit des Frühsommers.

Was ist eigentlich ein Bienenschwarm?

Ein Bienenschwarm ist die natürliche Art, wie Bienen sich vermehren. Wenn ein Volk zu groß wird, zieht die alte Königin mit etwa der Hälfte der Bienen aus und sucht eine neue Wohnung. Im Stock bleiben Brut und einige junge Königinnen zurück.

Aus Sicht der Biene: völlig normal. Aus Sicht des Imkers: zumindest ärgerlich, denn ein geschwärmtes Volk bringt in dem Jahr keinen Honig mehr. Ein Schwarm besteht meist aus 10.000 bis 20.000 Bienen, die sich gemeinsam als Traube an einem Ast oder Strauch sammeln, bevor sie weiterfliegen.

Wie macht ein Imker Schwarmkontrolle?

Alle sieben bis neun Tage öffne ich im Mai jedes meiner Völker, bei gutem Wetter, möglichst um die Mittagszeit, wenn die meisten Flugbienen draußen sind. Ich ziehe die Waben in der Brutmitte und suche nach Weiselzellen: kleine eichelförmige Zellen, die mir verraten, dass das Volk eine neue Königin züchten will. Die sind das Frühwarnsystem.

Finde ich eine offene Weiselzelle, ist Eile geboten:

  • Alle Weiselzellen werden vorsichtig herausgebrochen, bis auf eine ausgewählte.
  • Bei sehr starken Völkern setze ich einen Brutableger: ein paar Brutwaben mit Bienen kommen in eine eigene Kiste, die alte Königin bleibt im Stock. So beruhigt sich das Volk und der Schwarmtrieb verfliegt.
  • Honigräume werden zusätzlich aufgesetzt, Bienen, die viel Arbeit haben, schwärmen seltener.
Schwarmkontrolle ist die Kunst, dem Volk genug Raum zu geben, ohne dass es die Lust am Bleiben verliert.

Helfen Buckfast-Bienen gegen Schwärmen?

Die Buckfast-Linie, die ich seit Jahrzehnten halte, gilt als schwarmträge. Das heißt: sie schwärmen seltener als andere Rassen, aber eben nicht nie. Wer behauptet, eine „schwarmlose" Biene zu haben, hat entweder eine schlechte Saison oder ein schwaches Volk, gesunde Bienen wollen sich nun einmal vermehren.

Buckfast-Bienen wurden ab 1916 von Bruder Adam im Kloster Buckfast in England gezüchtet. Sie sind friedfertig, sammelfreudig und besonders krankheits­resistent. Genau deshalb sind sie die ideale Rasse für einen Hobby-Imker mit Vollzeitjob wie mich.

Was tun, wenn du selbst einen Schwarm findest?

Falls du in Dormagen, Delhoven oder umliegend einen Bienenschwarm im Baum, an einer Hauswand oder im Gartenhäuschen entdeckst: bitte anrufen, nicht spritzen.

Ein Schwarm ist friedlich, er hat keine Brut zu verteidigen und ist im Schwarmzustand voll Honig getankt, also kaum stechwillig. Ich oder ein Imker-Kollege aus dem Rhein-Kreis Neuss holen das Volk gerne ab, meist innerhalb einer Stunde, kostenlos.

  • Die Imkerei Kessel anrufen: 02133 81491, auch abends/am Wochenende.
  • Schwarmbörse des Deutschen Imkerbundes: deutscherimkerbund.de, bundesweite Vermittlung.
  • Örtliche Feuerwehr in Dormagen: hat meist eine Imker-Liste, falls niemand erreichbar ist.

Was sonst noch im Mai am Bienenstand passiert

Neben der Schwarmkontrolle ist im Mai noch einiges zu tun:

  • Honigräume kontrollieren: Der Rapshonig kommt jetzt in die Schleuderei, der Frühsommer kann beginnen.
  • Drohnenrahmen schneiden: Eine sanfte Methode gegen die Varroamilbe, die sich gerne in Drohnenbrut vermehrt.
  • Wasser bereitstellen: Mit den ersten heißen Tagen brauchen die Bienen Trinkwasser, eine flache Schale mit Steinen reicht.

Wer Lust hat, das einmal mitzuerleben: ich freue mich über Besuch am Bienenstand. Vorher kurz anrufen, dann mache ich gerne eine kleine Führung.

Häufige Fragen

Was soll ich tun, wenn ein Bienenschwarm in meinem Garten ist?

Bitte nicht spritzen, nicht stören, sondern Imker rufen. In Dormagen und Umgebung erreichst du die Imkerei Kessel unter 02133 81491. Wir holen den Schwarm meist innerhalb einer Stunde kostenlos ab. Ein Schwarm ist friedlich und kann nichts dafür, dass er deinen Garten gewählt hat.

Ist ein Bienenschwarm gefährlich?

Nein. Ein Schwarm ist vollgetankt mit Honig und hat keine Brut zu verteidigen, er ist im Schwarmzustand am wenigsten stechwillig. Ruhig stehen bleiben, einen Imker rufen. Niemals selbst mit Wasser oder Insektenspray angehen.

Wann ist Schwarmsaison?

Hauptsächlich Mai bis Mitte Juni am Niederrhein. Bei mir in Dormagen-Delhoven ist es meistens nach der Rapsblüte am intensivsten. Vereinzelt gibt es auch im Juli noch Spätschwärme.

Wie viele Bienen sind in einem Schwarm?

Ein Schwarm besteht meist aus 10.000 bis 20.000 Bienen plus der alten Königin. Aus der Ferne wirkt die Traube oft so groß wie ein Fußball oder Rugby-Ball.

Kostet das Schwarm-Abholen etwas?

Nein, das ist immer kostenlos. Jeder Imker freut sich über ein neues Volk und holt Schwärme gerne ab, egal ob Anfang Mai oder Ende Juni. Ein Anruf reicht.